schutzzelt_02
Eine
Installation im Öffentlichen Raum
Am Marktplatz Mannheim, 26. April 2008
Mit
freundlicher Unterstützung der KHG Mannheim
>> schutzzelt
im Kunstladen 2006
Bei jedem Windhauch
Setzt sich der Falter anders
Dort auf der Weide.
Basho

(Fotos:
http://www.astrosurf.com/luxorion/Physique/hiroshima-ground.jpg
http://pripyat.com/de/photo_gallery/chernobyl/2/1626.html)
Zelt >> Das Zelt ist neben der Höhle die archaische Wohnstätte
des Menschen und symbolisiert existentielle Bedürfnisse wie Sicherheit
und Geborgenheit. Mit einem Zelt schaffen wir uns einen Ort der Gewissheit
in einer ungewissen Umgebung. Ein Schutzzelt gegen radioaktive Strahlung
ist eine Paradoxie, es bietet keinen äußeren Schutz. Das „Schutzzelt“ ist
daher ein Symbol für unsere inneren Wirklichkeiten, mit denen wir
unserem Leben Struktur und Sinn verleihen, es beherbergt und schützt
z.B. unsere Vorstellungen von Natur. Es steht aber auch für Abgrenzung
gegenüber anderen Wirklichkeiten und Realitäten, denen wir uns
gern verschließen. Die Zeltwand ist allerdings durchlässig:
Sie ist ein Hinweis darauf, dass unsere Vorstellungen und unsere „Wahrheiten“ immer
wieder Transparenz erlangen müssen, um nicht als leblose Bilder zwischen
Nostalgie und Illusion abzusterben.
Steinkreis >> In
alten Religionen markieren Steinkreise einen heiligen Raum in einer profanen
Umwelt. Ihre kreisförmige Aufstellung
ist ein Symbol der Ganzheit (Mandala). Die Steine der Installation stammen
vom Ufer des Rheins - der Fluss steht für das beständig fließende
Sein, dafür, dass die gesamte materielle und phänomenale Welt
der Veränderung unterworfen ist. Aber was meinen wir, wenn wir heute
von „Veränderung“ sprechen? Die Steine – als Symbole
des Selbst – sind hier ebenso durchlässig wie porös. Ganzheit
vs. Fragmentierung.
Haiku >> Das japanische Haiku weist über die ästhetische
Konstruktion der Natur, wie wir sie aus der europäischen Dichtung
kennen, hinaus - entgegen der westlichen Tradition einer objektiven Naturbetrachtung
geht es ihm um subjektive und unmittelbare Naturerfahrung. Das Haiku ist
das „Begräbnis des Gegenüber“, Ausdruck einer nicht-dualistischen
Erfahrung der Welt. In jedem traditionellen Haiku gibt es ein so genanntes „Jahreszeitenwort“,
welches dem Dreizeiler einen Platz im Rhythmus der Natur einräumt.
Der natürliche Rhythmus von Entstehen und Vergehen ist auch ein Zeichen
für die Vergänglichkeit des Menschen, weshalb gesagt wird, dass
jedes gute Haiku ein „Todes-Haiku“ ist. Matsuo Basho (1644 – 1694)
ist der berühmteste Haiku-Dichter, der schon zu Lebzeiten durch seine
Reisetagebücher Berühmtheit erlangte und vielen Zeitgenossen
zum Vorbild wurde. Bashos Anliegen war, das Dichten und das Wandern als
Symbole des Lebens aufzufassen.
26.
April >> Am 26. April 1986 wird im ukrainischen
Kernkraftwerk Tschernobyl ein Experiment gestartet: Es soll geprüft
werden, wie lange die Turbine mit der Restwärme des abgeschalteten
Reaktors weiterläuft. Es kommt zum Turbinenstillstand, innerhalb von
Sekunden steigt die Leistung des Meilers um ein Vielfaches an. Schließlich
explodiert der Block 4 des Atomkraftwerkes. In den ersten Tagen nach der
Katastrophe werden ca. zwei Millionen Heranwachsende mit radioaktivem Jod
verstrahlt; mindestens 600.000 so genannte Tschernobylkinder haben bis
heute schwer unter den Folgen (z.B. Schilddrüsenkrebs) zu leiden.
Auch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9.
August 1945 können als ein Experiment betrachtet werden, bei dem der
Einsatz der Bomben ihre hohen Entwicklungskosten von zwei Milliarden Dollar
rechtfertigen und ihre Wirkungsweise an realen Zielen testen sollte. Die
vom damaligen US-Präsidenten Truman als „Wilde“ bezeichneten
Japaner waren dafür ein willkommenes Ziel. Bis heute hat keine Regierung
der USA eine offizielle Entschuldigung gegenüber den zivilen Opfern
der Abwürfe und ihren Angehörigen abgegeben.



 
 

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